Besser Online 2017
Besser Online

Dokumentation 2015

Die Dokumentation von Besser Online ist da – mit vielen Fotos, ausführlichen Berichten, Videos und Tweets.
Jetzt anschauen!

Publiziert am 21. Oktober 2014 von Redaktion

Besser Online 2014 bei Google +: Das Video

Eine spontan gebildete Redaktion hat den Kongress mit Handy- und Web-Cams im Video live dokumentiert. Das Social TV Experiment unter der Leitung  von  Kai Rüsberg (@ruhrnalist) und Frank Sonnenberg ist hier zu sehen:

Publiziert am 21. Oktober 2014 von Redaktion
Publiziert am 21. Oktober 2014 von Redaktion

Besser Online 2014: Audio-Mitschnitte der Panels

Publiziert am 30. Oktober 2014 von Redaktion

Besser Online 2014 in Bildern

Fotos: Florian Büh

Publiziert am 02. Oktober 2013 von Redaktion

Besser Online 2013 in bewegten Bildern - Hier geht es zu den Videos

Publiziert am 18. September 2013 von Redaktion

Besser Online 2013 - Audiomitschnitte

Sie konnten bei Besser Online 2013 nicht dabei sein, wollen jedoch gerne wissen, was in den mehr als 20 Foren und Workshops diskutiert wurde? Oder Sie waren vor Ort in Mainz mit dabei und möchten sich den ein oder anderen Workshop/Panel gerne noch einmal anhören? Kein Problem: Hier finden Sie unsere Audio-Mitschnitte!

 
 
 
 
Raum 2: Workshops - Mobile Reporting
 
Raum 2: Workshops - Google, Wikipedia und Co.
 
 
 
 
 
Raum 3: Dialog - Online-Burnout
 
Publiziert am 27. September 2013 von Redaktion

Besser Online 2013 in Bildern

Fotos: Florian Büh

Publiziert am 15. September 2012 von Redaktion

Inhalte netzgerecht vermitteln

Über die Möglichkeiten, Inhalte netzgerecht in die Berichterstattung einzubinden, diskutierten Nea Matzen von der Tagesschau und Marc Hippler von Stuttgarter-Zeitung.de.  Matzen erläuterte die Vorzüge der Online-Berichterstattung, die in der Schnelligkeit und er ständigen Verfügbarkeit bestehen. Hippler berichtete über die Einbindung von Storify in die Homepage seiner Zeitung, um Inhalte aus sozialen Netzwerken gezielt in die redaktionelle Berichterstattung einzubinden. Da entbinde aber die Redakteure nicht von ihren Pflichten zur Recherche, beispielsweis, um den Wahrheitsgehalt zu prüfen.  

Matzen wies auf rechtliche Probleme hin, was die Redaktion zwinge, sorgfältig zu recherchieren und stets auf die Quellen hinzuweisen. Für den Dialog mit den Nutzern eigne sich die Online-Präsenz aber nur bedingt, weil dies äußerst personalintensiv sei.

Bei der Stuttgarter Zeitung ist Online als Ressort in die Zeitungsredaktion eingebunden, sagte Hippler. Aber natürlich unterscheide sich die Berichterstattung von Print und Online. Verweise auf ausführlichere Informationen in der Printausgabe seien kontraproduktiv. Nutzer unterscheiden nicht zwischen Print und Online. Aber für Online sollte eine eigene publizistische Marke entwickelt werden.  Der Schwerpunkt liege klar bei der lokalen und regionalen Berichterstattung. Die Auswahl der Schwerpunkte sei ein permanenter Prozess. Dabei werde auch ständig überlegt, was aus der Printausgabe noch vor dem Andruck online übernommen werden soll.

Ähnlich sei es auch bei der Tageschau. Es gebe einen ständigen Austausch zwischen der Onlineredaktion und der TV-Redaktion. Bloggern riet Matzen, sich grundsätzlich über ihre publizistische Grundidee klarzuwerden. Es müsse dem Nutzer immer klar sein, was sie von dem Blog erwarten können. Notwendig sei aber auch Verlässlicheit. 

Publiziert am 17. Januar 2013 von Redaktion

Bildwirkung beachten

In Zeiten, in denen es die moderne Kameratechnik auch den meisten Amateuren erlaubt, technisch einigermaßen ordentliche Bilder zu fertigen, dürften die Redaktionen nicht den profesionellen Blick auf die Bildwirkung vernachlässigen, meint Bildjournalisten Heike Rost im Werkstattgespräch „Bilder im Netz – Tipps aus der bildjournalistsichen Praxis.“ Im europäischen Ausland sei man in dieser Hinsicht bereits viel weiter als in Deutschland. Hier spiele die Wahrnehmungspsychologie noch eine völlig untergeordnete Rolle.

 

Rost beklagte, dass oftmals Bildstrecken im Online-Bereich allein eingesetzt würden, um möglichst viele Klicks zu generieren – ohne dass die Vielzahl der Bilder irgendeinen journalistischen Mehrwert hätte. Als DJV-Vertreterin im Presserat sei sie schon mit Bildstrecken von tödlichen Unfällen konfrontiert worden, oin denen von 18 Bilden 15 völlig überflüssig gewesen seien.

Insgesamt sei zu beobachten, dass die Schmerzgrenze beim Einsatz von Bildern immer weiter absinke. Im Werkstattgespräch wurde von mehreren Teilnehmern darauf hingewiesen, dass die zahl der Bilder, die auf die Menschen (egal ob Rezipienten oder Redakteure) heute einströmen immer größer werde. So trete ein gewisser Abstumpfungseffekt auf, der zu immer blutrünstigeren Bildern führe. Dadurch gingen die leiseren Bilder im Geschrei der lauten unterr.

 

Vielfach prüfe man für die Verwendungsentscheidung nur noch die urheberrechtlichen Fragen. Die Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten gerieten zunehmend aus dem Blickfeld der Redaktionen. Rost forderte von den Redaktionen, dass sie sich wieder eigene Maßstäbe setzen müssten, welche Bilder noch vertretbar seien und welche nicht.

Gerade an den Zugriffszahlen auf Bildstrecken könne man auch erkennen, dass es durchaus auch für Verlage und Pressestellen sinnvoll ist, profesionelle Fotografen mit der Erstellung zu beauftragen. Es zeige sich nämlich, dass professionell komponierte Bilderstrecken deutlich höhere Klickraten erzeugen, als solche, die aus zufä#lligem Material zusammengestellt sind. Martion Schmidt vom Stadtmarketing Wiesbaden, der das Werkstattgespräch moderierte, konnte dies aus eigener Erfahrung bestätigen. Seine Redaktion habe sich daher entscheiden, nur noch Bildstrecken von professionellen Fotografen einzusetzen.

 

Das Werkstattgespräch sprach auch das immer weiter um sich greifende Kopieren von Bildern aus dem Netz an. Rost berichtete von einem Fall, in dem eine große Tageszeitung gleich fünf Bilder aus einem Blog ungefragt übernommen hatte un dabei nicht nur die Urheberrechte sondern auch noch die Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten ignoriert hatte – ohne dass der zuständige Redakteur auf Nachfrage auch nur einen Hauch von Einsicht zeigte.

In diesem Zusammenhang forderte Rost, dass die Metadaten, die beim fotografieren durch die Kamera in die Bilddatei eingefügt werden, endlich schützbar gemacht werden müssten. Heute sei es noch so, dass viele Bildbearbeitungsprogramme diese Daten verändern könnten und beim Upload auf Foto-Plattformen oder in soziale Netzwerke diese Daten automatisch gelöscht würden.

Publiziert am 15. Januar 2013 von Dipl.-Ing. Klaus D. Minhardt

Wie Drohnen neue Perspektiven eröffnen

Moderation: Peter Welchering        

Mit Lorenz Matzat, Marcus Bösch von http://www.drohnenjournalismus.de/

Inwieweit lassen sich Drohnen für den Journalismus nutzen und erhalten wir dadurch einen Mehrwert im Journalismus?

Die Nutzung von Drohnen für Sportveranstaltungen ist zwar möglich, aber keine wirkliche Erweiterung der journalistischen Möglichkeiten. Für Fotoaufnahmen im Nachrichtenbereich sind Drohnen wegen der kurzen Flugzeiten nur sehr eingeschränkt nutzbar. Die Regeln für die Privatsphäre begrenzen den Einsatz ebenfalls.

Dagegen ist der Datenjournalismus mit der Erfassung von Messwerten ein völlig neues journalistisches Gebiet. So könnten nach einem Reaktorunglück die Radioaktivitätswerte gemessen werden, die Behörden verheimlichen wollen. Autark nach GPS-Daten fliegende Drohnen könnten täglich Daten der gleichen Stelle erfassen und der Journalist kann die Daten über einen längeren Zeitraum auswerten.

Die Knight Foundation fördert Projekte zu neuartigen Nutzungen von Drohnen.

Der Einsatz von fliegenden Drohnen ist allerdings nur sehr beschränkt möglich. Neben der energiebedingt kurzen Flugzeit können die kleinen Geräte auch nur wenige hundert Gramm Nutzlast transportieren. Flugzeiten von wenigen Minuten bis zu einer Stunde sind daher die Regel. Bei den meisten Drohnen ist die Reichweite allerdings auch durch die WLAN-Verbindung auf rund 100 Meter begrenzt.

Nächstes Jahr kommen Google Glasses auf den Markt. Erste Drohnen lassen sich dadurch mit Virtualreality bereits steuern, indem man sieht was die Drohne sieht und die Drohne dorthin fliegt, wo man hinsieht. Funkgesteuerte Drohnen werden bereits durch Störung des Funkes abgewehrt.

Autarke Drohnen mit GPS-Steuerung lassen sich nicht durch Funkstörungen behindern, da sie ohne Funkverbindung einen vorprogrammierten Kurs fliegen. Semi-autarke Drohnen können so z.B. täglich von den gleichen Stellen Messungen erheben oder Fotos machen.

Rechtlich spielt sich alles im Graubereich ab. Kleine Drohnen bis 5 kg können ohne Genehmigung eingesetzt werden. Der private Blogger oder Wissenschaftler dürfen die Bilder und Daten also nutzen. Die Zeitung benötigt theoretisch eine Genehmigung des Luftfahrtbundesamtes bzw. der Regionalbehörden, was im Nachrichtenbereich unrealistisch ist. Eine klarstellende Gesetzgebung wird dringend benötigt.

Verboten sind in jedem Fall Bilder von privaten Grundstücken und deren Bewohnern, wie dies ja auch ohne Drohnen verboten ist, sofern man dazu das fremde Grundstück ohne Genehmigung betreten muss. Aus ethischen Gründen gelten Bilder von Entführungen und Kindern ebenso als tabu. Die Regeln sind 1:1 mit dem klassischen Fotojournalismus vergleichbar.

Die Stabilität der kleinen Drohnen ist gering und ein Einsatz ist nur bei Windstille möglich, da die Geräte sonst verweht werden. Die Nutzlast ist bei einfachen Drohnen mit wenigen Minuten nicht ausreichend. Bei professionellen Modellen begrenzt das hohe Gewicht der Akkus die Laufzeit, da größere Energiespeicher auch den Energieverbrauch erhöhen und die Nutzlast reduzieren. Die gesetzliche Grenze für nicht gewerblich genutzte Luftfahrzeuge liegt derzeit bei 5 kg, wodurch lange Flugzeiten bei vernünftiger Nutzlast nicht möglich sind. Ab 2000 € gibt es geeignete Drohnen für die professionelle Nutzung mit ausreichend Nutzlast und einer Betriebsdauer von über 10 Minuten.

Dagegen können Land- und Wasserfahrzeuge als Drohnen über viele Stunden eingesetzt werden. Hier gibt es auch weniger juristische Probleme.

Beispiele für den Einsatz von Drohnen findet man auf

http://www.drohnenjournalismus.de/

http://www.dronejournalism.org/

http://diydrones.com/

Publiziert am 15. Januar 2013 von Redaktion

Wer nicht im Netz ist, macht dort auch keine Geschäfte

Auf dem Panel "Erfolg im Netz: Wie man sein virtuelles Profil schärft“ sprachen die freie Wirtschafts- und Verbraucherjournalistin Bettina Blaß und Florian Treiß, Gründer von mobilbranche.de, einem Portal über Trends im Mobile Marketing und Mobile Business. Der Kern des Panels war schnell klar: Wer nicht im Netz präsent ist, kann auch keine Geschäfte im Netz machen.

Eine Frau aus dem Publikum fragte in Bezug auf ihr Online-Profil: „Wie mache ich mich denn scharf?“ Blaß empfahl, "zielgerichtet Informationen preiszugeben". Wenn man als Journalistin in einem gewissen Bereich arbeite, müssten auch die eigenen Social Media-Profile zu der journalistischen Ausrichtung passen. Man solle also beispielsweise nicht eintragen, welche Bücher und Facebookseiten man privat mag, sondern welche man beruflich interessant findet. Blaß sagte, sie habe schon mehrere Aufträge und Lehrtätigkeiten über Facebook und Twitter angeboten bekommen. Florian Treiß nutzt neben seiner Fan-Seite für mobilbranche.de auch sein privates Facebook-Profil, um sich mit beruflichen Kontakten zu verbinden. Es sei vorteilhaft für digitalen Smalltalk. Blaß ergänzte, man müsse dann aber seine Kontakte Kreisen zuordnen, für die man gezielt Beiträge postet, damit Berufliches und Privates nicht durcheinander kommen.

Peter Jebsen vom Bundesfachausschuss Online des DJV moderierte das Panel. Er sagte: „Man kann sein Profil auch schärfen, indem man nicht nur sendet, sonder auch interagiert.“ Jan Söfjer, vom Fachausschuss Online des DJV Berlin, sagte, er habe so über Twitter zwei Themen entdeckt, die er als Artikel habe verkaufen können.

Als Geheimtipp für Journalisten, die auch unterrichten, moderieren oder Vorträge halten, entpuppte sich die Seite Slideshare, auf der Powerpoint-Präsentationen hochgeladen werden können. Treiß sagte, es sei ihm zweimal passiert, dass Leute dort gezielt gesucht und ihn als Referenten entdeckt hätten. Blaß warnte jedoch, man müsse aufpassen, was man hochlade. Manche Unternehmen, in denen man eine Schulung gegeben habe, würden es nicht mögen, wenn die Öffentlichkeit erfahren, dass das Unternehmen „Nachhilfe nötig habe“.

Abschließend sagte Treiß: „Man muss als Journalist irgendwie im Netz gefunden werden. Man darf nicht erwarten, mit einer Online-Visitenkarte tausend Aufträge zu bekommen, aber ein Auftrag im Jahr kann man mit Social Media im Jahr schon akquirieren.“

Publiziert am 15. September 2012 von Redaktion

Haben Bezahlinhalte eine neue Chance

Haben Bezahlinhalte eine neue Chance? Ja, sind sich Alexander Houben vom Trierischen Volksfreund, Kai-Hinrich Renner vom Hamburger Abendblatt und Rhein-Zeitung-Chefredakteur Christian Lindner einig. Letzterer sieht genau jetzt die Zeit dafür und will deshalb kommendes Jahr Bezahlinhalte auf dem Onlineportal seines Blattes einführen. „Vor fünf Jahren wären wir beschimpft worden, das Internet nicht verstanden zu haben. Jetzt sind wir selbstbewusst genug“, sagt Lindner.

Das Hamburger Abendblatt hat zum Jahreswechsel 2009/10 seine Bezahlschranke online eingeführt. „Wir haben dadurch keine Reichweite eingebüßt – im Gegenteil“, sagt Kai-Hinrich Renner. Die Visits stiegen trotzdem, das Portal überholte rp-Online und ist nach Renners Aussage heute das erfolgreichste Portal für Lokalnachrichten in Deutschland. Kostendeckend sei die Schranke allerdings nicht.

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet Alexander Houben vom Trierischen Volksfreund, der seit diesem Sommer Bezahlcontent anbietet. „Es gab Meckerei auf Facebook, ich habe 70 Freunde verloren aber nach drei, vier Tagen war das vorbei.“ 15 Texte im Monat hat der Leser des Volksfreunds frei, danach muss er für lokale und regionale Informationen zahlen. Eine Hintertür wie beim Abendblatt für Google- oder Facebook-Nutzer – die auch ohne Bezahlen auf die kostenpflichtigen Inhalte kommen – gibt es beim Volksfreund nicht. „Warum auch?“, fragt Houben. „Wenn ein Nutzer 15 Mal von Google zu uns kommt, weil ihn Artikel von uns interessieren, kann er auch danach kommen und zahlen.“ Schließlich seien die Zahlen nicht das wichtigste. Houben: „Wer sind denn die Betriebe, die in Lokalzeitungen werben? Das sind zum Beispiel die Handwerker von nebenan. Die können aber nichts mit PIs und Unique Usern anfangen. Wenn das Angebot für Ihre Nutzer relevant wird, wird es das auch für Ihre Werbekunden.“

Laut Christian Lindner von der Rhein-Zeitung wird die Zeitung heute zu 60 bis 70 Prozent von den Verkaufserlösen und der Rest von Anzeigen finanziert. „Wie lange lassen es uns die zahlenden Kunden noch durchgehen, dass andere ein Best-Of der Inhalte gratis bekommen, möglicherweise noch angereichert durch mehr Bilder und Videos?“ Online solle als zusätzlicher Vertriebskanal begriffen werden. „Bei iPhone- und iPad-Apps sind die Nutzer kompromisslos bereit zu zahlen. Und sie wollen auch nicht unbedingt immer zwingend eine Anreicherung“, stellt Lindner fest. „Vielen passt einfach das Medium Zeitung nicht mehr ins Leben. Sie wollen die gleichen Informationen bekommen, nur auf anderen Wegen.“ Dafür seien sie laut Lindner auch bereit, genauso viel zu zahlen.

Das wichtigste für den Erfolg von Bezahlinhalten seien individuelle Inhalte, die der Leser nirgendwo anders bekommt. Darin waren sich alle drei Diskutanten einig. Eine kritische Diskussion bracht daraufhin mit den Zuschauern aus, wie diese Forderung bei immer weiter schrumpfender Personaldecke in den Redaktionen geleistet werden soll. „Das ist eine Frage, wie der Chefredakteur seine Leute einsetzt“, konterte Christian Lindner. Er habe die Chance, den Seitenumfang zu reduzieren und dann lieber weniger Quantität aber mehr Qualität anzubieten. Die Redaktionen machten zu viel Standard und müssten das Selbstverständnis ihrer Arbeit hinterfragen, forderte Lindner.

Publiziert am 15. September 2012 von Redaktion

Multimediales Storytelling - „für mehr Seriosität“

„Multimedia macht ein Thema für den Rezipienten glaubwürdiger“, sagt Marko Litzenberg. Der freie Radioreporter aus Aschersleben sammelt Erfahrungen mit Online-Videos, weil er Spaß daran hat. Viel Geld verdienen kann er damit nicht – diese Aussage trifft auch auf die anderen drei Gäste des Podiums „Multimediales Storytelling“ zu. Moderator Jan Söfier zeigte Bilder und Slideshows seiner vier Gäste, die unterschiedlicher kaum sein konnten. Da war die Audio- und Video-Slideshow von Uwe H. Martin von US-amerikanischen Baumwollfarmern, die emotional und bewegend ihre Situation schildern. Der Beitrag ist einer von vier Teilen eines Projekts, das Martin rund 30.000 Euro gekostet hat, von denen er 25.000 Euro wieder eingespielt hat. Es folgte der „Kulturschock“ von Matthias Morr, der seinen Video-Rundgang über ein Kreuzfahrtschiff selbst so bezeichnete. Bewegte Bilder, unterlegt mit Morrs Kommentaren. Auf YouTube ist der Hamburger dabei, sich als „Schiffstester“ einen Namen zu machen. „Meine ersten Videos waren klassisch mit durchdachten Schnitten und abgelesenem Text“, berichtete er. „Dann hab ich mal experimentiert, bin auf eine kleine Handkamera umgestiegen und hab in einer Stunde den Film schnell zusammen geschnitten. Seitdem ich einfach von den Bildern inspiriert den Text einspreche, bleiben die Zuschauer länger am Ball.“ Wie lange ein Video im Durchschnitt gesehen wird, lässt sich bei YouTube auswerten. Etwa 100.000 Zuschauer erreicht Morr nach eigener Aussage mit seinen Beiträgen. Werbung spielt ein bisschen Geld in die Kasse. „Aber um davon leben zu können, bräuchte ich eine Million Zuschauer.“

Das Geld sollte für Portale eine zweitrangige Rolle spielen, sagte Uwe H. Martin. „Denn was ist mir lieber: Dass die Menschen über meine Marke sprechen, weil sie tolle Inhalte liefert oder dass ich auf Kosten gucke, sie drücke und dann nur schlechtes Zeug zu einem Thema biete, das zehn Amateure auf YouTube besser hinbekommen?“

Geld spielte beim Projekt „berlinfolgen“ tatsächlich eine zweitrangige Rolle. Die Taz produziert in Zusammenarbeit mit 2470media Audio-Slideshows von Berlinern. Die Taz-Redakteure zeichnen die Interviews für die Tonspur auf – die Fotografen von 2470media machen anschließend die Bilder dazu. Jeden Freitag erscheint eine neue Folge. „Zwei bis drei Wochen sitzen wir durchschnittlich an der Produktion“, berichtete taz.de-Redakteurin Frauke Böger. Für das Projekt haben die Produzenten den Grimme-Online-Award gewonnen. Es ist für die Taz ein Aushängeschild. Trotzdem soll nach 100 Folgen Schluss sein – 25 davon werden durch Crowd Funding finanziert.

Multimediales Storytelling ist teuer – und findet kaum Abnehmer, die dafür adäquat zahlen wollen. Das brachte vor allem Martin auf den Punkt: „Man kann nicht mit allen Dingen Geld verdienen. Aber ich habe dieses Projekt gemacht, weil ich Lust dazu hatte.“ So stand am Ende ein treffendes Fazit der Diskussion auf der Twitterwall, gezwitschert von Andreas_Lerg: „Multimediales Storytelling ist ziemlich geil und wird ziemlich besch...eiden bezahlt.“

 

Links zu den gezeigten Filmen:

http://uwehmartin.wordpress.com/texas-blues-film/
http://www.eineblick.de/2010/06/mit-volldampf-ins-beatles-wochenende/
http://vimeo.com/22019912
http://www.youtube.com/watch?v=AXsevIq7I10&list=PLE442B237435F903A

Publiziert am 15. September 2012 von Anna-Maria Wagner

Gegenöffentlichkeit im Internet

Mit Dr. Günter Metzges, Vorstandsmitglied von campact.de, und flügel.TV-Gründer Robert Schrem trafen zwei Experten der Online-Protestkultur zur Diskussion über „Gegenöffentlichkeiten im Internet“ aufeinander.

Robert Schrem berichtet, wie er über die Beobachtung von Demos der Bürgerbewegung Stuttgart 21 vom neuen Bürofenster eher zufällig in den Journalismus „gestolpert“ sei. Um  die Verfolgung der Proteste und Polizeieinsätze in Echtzeit zu ermöglichen, gründete er den Online-Sender  flügel.tv. Seit 2011 greift der Grasswurzel-Journalist auch andere politische Inhalte auf, die eingesessene Fernsehsender nicht liefern. So übertrug fluegel.tv bspw. rund um die Gorleben-Demos oder direkt aus dem Bundestag. Der Reiz läge dabei, „dass heute kaum noch live ausgestrahlt wird.“ Man könne mit dem Camcorder innerhalb von zehn Minuten sendebereit sein, in den Hochzeiten schalten sich bis zu einer halbe Million Menschen in nur wenigen Tagen zu. Auch die Resonanz etablierter Medien nehme stetig zu, so verlinken etwa Nachrichten-Websites wie SPIEGEL Online kontextbezogen auf fluegel.tv.

Im Anschluss zeichnet Metzges die Entstehungsgeschichte der E-Campaigning-Plattform Campact nach. Vorbild waren US-Portale wie Change.org, mittlerweile habe Campact sich zu einer der einflussreichen Kampagnen-Plattformen in Deutschland entwickelt. Auf der Agenda stehen Themen wie Gentechnik, Anti-AKW-Aktionen, Agrarpolitik oder Nahrungsmittelspekulationen. Die Kampagnentools auf campact.de würden bei geringen Kosten den Aufbau einer enormen Reichweite ermöglichen, so Metzges. Der Newsletter-Verteiler umfasse mittlerweile eine halbe Million protest- und onlineaffiner BürgerInnen, was im Vergleich zu der Auflage so manch einer Lokalzeitung beachtlich sei. Ihm sei jedoch klar, dass hier in „gewisser Weise Äpfel mit Birnen verglichen werden“, räumt Metzges ein. Aber: Die in den 70ern vorherrschende Gatekeeper-Funktion der Journalisten und Verlage bestehe so nicht mehr und verlagere sich zunehmend hin zur „Partizipation von neuen Formen digital organisierter Gegenöffentlichkeiten.“

Aus dem Publikum kam die Frage nach der Wechselbeziehung zwischen den drei kollektiven Akteuren Online-Protestler, Mainstream und Medien. Im Dialog von Schramm und Metzges kristallisierte sich heraus: Ob Themen generell „ankommen“ und Mobilisierungspotenzial aufweisen, sei nicht nur eine Frage der Kanalisierung, sondern hänge davon ab, ob das Thema neben gesellschaftspolitischer Relevanz konkrete Dringlichkeit aufweise. Zudem müsse innerhalb der Protestbewegungen ein Gegner benannt, also personalisiert werden, benennt Metzges einen weiteren Punkt. Social-Media-Kanäle seinen mittlerweile ein elementares Tool zur Meinungsbildung, was aber nur bei ohnehin populären Protestaktionen und Kampagnen greife. Ohne Offline-Aktionen und flankierende journalistische Berichterstattung funktioniere es auch nicht, aus der Gemeinwohlperspektive angestoßene Diskurse mainstreamfähig zu machen. Qualitätsmedien würden dabei zudem notwendigerweise als dritte Instanz fungieren, die den kritischen öffentlichen Dialog zwischen Protestakteur und Gegner reflektiert.

Publiziert am 15. September 2012 von Redaktion

Urheberrecht muss ans digitale Zeitalter angepasst werden

Das Urheberrecht muss an das digitale Zeitalter angepasst werden. Kern dieser zum Abschluss des Kongresses „Besser Online 2012“ erhobenen Forderung muss es sein, die Rechte der Urheber zu stärken. „Es gibt ein digitales Urheberrecht“, sagte Prof. Karl-Nikolaus Pfeifer von der Universität Köln. Mit der Anpassung des Urheberrechts müssten zum einen der Anspruch der Urheber auf Vergütung für ihre Werke entsprochen werden. Zugleich sei es aber auch erforderlich, den Zugang der Nutzer an digital verfügbare Werke so einfach wie möglich zu machen.

Es werde immer schwieriger die Urheberrechte durchzusetzen. Zu lösen sei die Frage der Vergütung, ohne den Zugang zu „verstopfen“. Am zweckmäßigsten sei es aus seiner Sicht, das in die Hände einer Verwertungsgesellschaft zu legen.

Die freie Journalistin und Fotografin Heike Rost wies darauf hin, dass es beim Urheberrecht inzwischen große Akzeptanzprobleme gebe. „Es fehlt der Respekt vor der Arbeitsleistung“, sagte sie.  Der freie Journalist Falk Lüke wies darauf hin, dass durch die inzwischen vorhandenen technischen Möglichkeiten praktisch alle digital vorliegenden Werke verlustfrei kopiert werden können. „Die digitalen Informationen sind nicht mehr einfangbar“, sagte er.

Die Europaabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Helga Trüpel, sprach von einer digitalen Revolution. Deshalb bedürfe es neuer Regelwerke im Urheberrecht. „Der digitale Kapitalismus muss angemessen reguliert werden“, sagte sie. Urheber müssten in der digitalen Welt besser gestellt und ihre Rechte gegenüber den Verwertern gestärkt werden.

Publiziert am 15. September 2013 von Redaktion

Echtheit von Web-Video mit Google-Street-View geprüft

In dem Panel „Social Media Newsdesk: Neue Schaltzentrale für Kommunikation?“ gab Süddeutsche.de-Chefredakteur Stefan Plöchinger ein schönes Beispiel, wie solch ein Newsdesk arbeitet. Vor zweieinhalb Wochen wurde in München-Schwabing eine Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg kontrolliert gezündet. Die enorme Sprengkraft beschädigte die ganze Straße. Plöchinger sagte mit einem Seitenhieb auf seinen Sitznachbarn Andreas Hummelmeier, tagesschau.de-Leiter, Süddeutsche.de habe live getickert (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/ausnahmezustand-in-schwabing-bombe-in-muenchner-innenstadt-detoniert-1.1451909), während „die klassischen Medien live nichts dazu brachten“.

Irgendwann fanden die Redakteure einen Videoclip von der Explosion. Ein freier Videojournalist hatte ihn von seiner Wohnung aus gedreht. Aber war er wirklich echt? Die Redaktion brachte die Adresse des Kollegen in Erfahrung und prüfte mit Google Street View nach, ob die Lage der Wohnung zu dem Aufnahmeort passte. Es passte. Um 00:07 Uhr tickerte Süddeutsche.de: „Gestochen scharfes Video von der Explosion: Simon Aschenbrenner hat die Sprengung von seiner Wohnung in der Germaniastraße gefilmt. Hier können Sie die spektakuläre Aufnahme sehen.

Die Live-Berichterstattung über die Bomben-Sprengung hat Süddeusche.de die zweithöchsten Zugriffe nach der Berichterstattung über die  Fukushima-Katastrophe gebracht. „75 Prozent unserer Leser schauten auf den Liveticker zur Bombe“, so Plöchinger.

Tagesschau.de verwendet auch bisweilen Videos aus dem Netz und prüfte die Echtheit Mehrfach. Bei einem achtsekündigen Video, würde man aber nicht die Quelle im Detail nennen, sondern nur auf das Internet verweisen, so Andreas Hummelmeier. Was Tagesschau.de noch nicht nutzen würde, um daraus Nachrichten zu machen, sei Twitter. „Unsere Quellen sind Agenturen und Korrespondenten.“

Ein anderes Thema auf dem Panel waren Leserkommentatoren, die Diskussionen entern und versauen würden. Plöchinger verwies auf eine Analyse von der Zeit Online-Redaktion, die untersucht hätte, welcher User-Arten es gebe. Darunter seien beispielsweise der Pöbler und der Besserwisser (http://www.horizont.at/home/meinungen/digital-insider/detail/wie-man-online-diskussionen-sinnvoll-nutzt-und-steuert.html). Plöchinger sagte klar: „Man muss auch User-Beiträge rausschmeißen. Wenn die Qualität von Debatten zu schlecht ist, schreckt das Nutzer ab.“ Christoph Salzig, Chef der Kommunikationsberatung Primus Inter Pares, sprach auf dem Panel unter anderem über alternative Social Media Portale und nannte Google Hangout Broadcast als Beispiel, das neue Möglichkeiten der Leserbeteiligung biete.

Plöchinger sagte abschließend: „Je größer die Interaktion mit dem Leser ist, desto größer ist seine Verweildauer, desto höher ist der Anzeigenpreis.“

Publiziert am 17. September 2012 von Patrick Wiermer

Lokale Blogs stoßen in Nachrichtenlücke

Wie sich Lokalblogs finanzieren und wie sie bestehende Nachrichtenangebote ergänzen – darum ging es unter anderem im Panel “Lokalblogs 1”. Auf dem Podium saßen die Blogger Christoph-Georg Baron von Gallera (Mittelhessen-Blog), Philipp Albert Schwörbel (Prenzlauer Berg Nachichten) und Stephan Laurin (Ruhrbarone, kam erst im späteren Verlauf der Diskussion hinzu). Moderator Andreas Lerg (Redakteur t-online.de) berichtete in der offenen Diskussionsrunde von seinen Erfahrungen als Herausgeber des lokalen Bürgerblogs “Wir in Rheinhessen”. Jürgen Oehler, Online-Chef des Kölner Stadt Anzeigers, den Gegenpart.

Den Anfang machte Jürgen Oehler. Die Eingangsfrage, ob der Lokaljournalismus denn nicht “tot” sei, verneinte der Online-Chef. “Die lokalen und regionalen Zeitung sind in einem Umbruch”, so Oehler. “Wir müssen heute viel kleinteiliger werden. Und mit Hilfe der Blogs kommen wir heute in sogar in die Stadtteile”. Gleichzeitig müsse die Zeitung mehr Diskussion wagen, Debatten bündeln, die vielleicht an anderer Stelle, etwa auf Blogs entstehen, und den Lesern mehr Service bieten.

Die Prenzlauer Berg Nachrichten erreichten mittlerweile eine Einwohnerzahl, die vergleichbar mit Heidelberg sei, sagte Schwörbel. 18.000 bis 22 000 Unique Users hätten die Seite mittlerweile besucht. Schwörbel sieht seine Online-Zeitung nicht in Konkurrenz zu bestehenden Medien, sondern als Ergänzung. Die Themen werden konsequent auf den Kiez heruntergebrochen und seien damit viel zu lokalspezifisch, um in den Berliner Zeitungen Widerhall zu finden.

“Wir gehen nicht in den Kiez. Wir wollen der Region Mittelhessen ein Gesicht geben”, sagte hingegen Baron von Gallera. Der Blog ergänze auch hier die Berichtersttatung, da die Region in den etablierten Medien seiner Ansicht nach zu wenig repräsentiert sei. “Bei uns sind Themen zu finden, die in der Zeitung zu kurz kommen.” Auf seinem Blog gebe es aber keine Pro-Contra-Diskussionen zu einzelnen Themen, vielmehr erhoffe er sich, dass die Debatte angeregt und an anderer Stelle fortgeführt werde. Ähnliches gilt für “Wir in Rheinhessen”. Andreas Lerg: “Bei uns finden auch Meldungen und Meinungen Platz, die für die anderen Medien zu kleinteilig sind.”

Einen finanziellen Gewinn erwirtschaftet keines der vertretenen Blogs. Baron von Gallera betreibt das Mittelhessenblog in Eigenregie, zwei Mitarbeiter könnten zur Zeit wegen Krankheit nicht arbeiten. Das Projekt wird zu einem Drittel aus Anzeigenerlösen, zu einem Drittel aus Spenden und zu einem Drittel aus Quersubventionierung finanziert. Der komplette technische Support sei eine Spende. Querfinanziert sind auch die Prenzlauer Berg Nachrichten. Die Erlöse reichten  aus, um die Kernredaktion mit “vier bis fünf” Mitarbeitern zu beschäftigen. Philipp Albert Schwörbel habe sich selbst noch kein Gehalt ausgezahlt. Für ihn sei dies aber keine “Selbstausbeutung”, sondern einen Investition in die Zukunft: “Ich bin Unternehmer!”. Bei den Ruhrbaronen reicht die Kohle, um die 60 Euro Betriebskosten zu finanzieren. “Wir haben das denkbar schlechteste Werbeumfeld”, sagte Stefan Laurin. “Wir machen einen bunten Feld-, Wald- und Wiesen-Journalismus und die meisten Leser kommen aus Berlin.” Trotzdem finden die Ruhrbarone genügend Autoren, die für das Blog schreiben wollen, so Laurin. Zurzeit gehörten zehn bis 15 ehrenamtliche Autoren zum Kernteam.

Ob sich die Blogs mit diesen Strukturen nicht von Pressemitteilungen abhängig machen, wurde allenthalben verneint. “Wir in Rheinhessen” gebe als Bürgerplattform allen Bürgern die Chance ihre Meinung zu publizieren. Der Mittelhessen-Blog veröffentliche nur selten Pressemitteilungen und nehme diese vor allem an Anstoß für eine eigene Recherche. Philipp Albert Schwörbel gab allerdings zu, dass der Umgang mit Pressemitteilungen von Werbekunden nicht immer so einfach sei. Stefan Laurin sah das Problem eher bei den etablierten Zeitungen, die aufgrund von Stellenkürzungen häufiger auf Pressemitteilungen zurückgriffen: “Wenn die Medien Pressemitteilungen kopieren, verlieren sie ihr Profil”. Jürgen Oehler konterte: “Sie glauben gar nicht, wieviele Pressemitteilungen ich wegschmeiße. Das ist wie eine Löschroutine. Einzig die Pressemitteilungen aus den öffentlichen Verwaltungen haben manchmal Substanz. In der Regel sind aber die Bürger unsere Pressemitteilungen.

Publiziert am 17. September 2012 von Redaktion

Datenjournalismus

An Daten herrscht kein Mangel. Die Frage ist nur, wie gut man sie auswertet und visualisiert. Das könnte die Quintessenz der Veranstaltung "Neue Erkenntnisse aus der Welt der Zahlen" zum Thema Datenjournalismus sein. Und tatsächlich hatten die "Datenjournalisten" Marian Steinbach, Mirko Lorenz und Lorenz Matzat auf ihrem Forum durchaus Spannendes zu erzählen.

Schnell wird klar: Wer Zahlen und andere Daten recherchiert und sammelt, kann diese wie bislang allerorten üblich in einen Fließtext einfließen lassen oder daraus eine Tabelle bzw. ein Balkendiagramm erstellen. Doch in den meisten Datensammlungen ist durchaus noch mehr Musik drin, viel mehr: Es geht um 3D-Animationen und interaktive Visualisierungen. "Das Bewusstsein, dass man mit den Daten, die durch die Redaktionen fließen, mehr machen kann, wächst“, sagt Lorenz Matzat vom Berliner Unternehmen "OpenDataCity".

Eine besonders interessante Anwendung ist zum Beispiel der "Zugmonitor", der auf einer Deutschlandkarte darstellt, welcher Zug aktuell wo eine Verspätung hat bzw. wie oft diese im Zeitraum x vorkommt. Die dazu notwendigen Informationen stammen aus den öffentlich abrufbaren Zugdaten. Per Klick kann so jeder Nutzer erfahren, wie zuverlässig und rechtzeitig die Züge auf der von ihm befahrenen Strecke verkehren (http://zugmonitor.sueddeutsche.de).

Ebenfalls schön: Ein Tool, das den Verlauf des Aktienhandels mittels eines Koordinatensystems visualisiert: Auf der x-Achse ist der Zeitverlauf von 2007 bis 2012 zu sehen, auf der y-Achse die Anzahl der Käufe und Verkäufe. Bewegen sich die Kurven anfangs noch recht flach so werden sie mit steigender Anzahl der betrachteten Monate und Jahre immer größer, bewegen sich hektischer und nervöser. Die Wirtschaftskrise halt.

Auch im Sport ist das Thema Datenjournalismus natürlich seit je her von besonderer Bedeutung. Die New York Times beispielsweise hat im Rahmen der Olympischen Spiele eine anspruchsvolle 3-D Animation kreiert, die u.a. die Olympia-Sieger Usain Bolt, Carl Lewis und Jesse Owens sowie die restlichen Athleten unter den schnellsten 100-Meter-Läufern miteinander vergleicht. Dabei sieht man eine Laufbahn, auf der die 100 schnellsten Sprinter seit 1896 jeweils entsprechend ihrer Schnelligkeit eingetragen sind. Der Nutzer erkennt, auf welchem Abschnitt der Bahn Jesse Owens sich im Jahre 1936 befindet, als Usain Bolt 2012 bereits das Ziel erreicht (http://www.nytimes.com/interactive/2012/08/05/sports/olympics/the-100-meter-dash-one-race-every-medalist-ever.html).

Wirklich beeindruckende Beispiele für gelungenen Datenjournalismus. Für langfristige und große Datensammlungen fehlen in vielen Redaktionen zur Zeit allerdings noch die notwendigen Strukturen, die eine attraktive und aufwendige Weiterverarbeitung ermöglichen. Hier gibt es noch viel zu tun.

Publiziert am 16. Januar 2013 von Redaktion

Video-Dokumentation

Die Video-Dokumentationen zu Besser Online 2012 stammen von Florian Büh.

Publiziert am 18. Juli 2012 von Redaktion

Tweets

Alle Tweets zur Fachkonferenz Besser Online gibt es unter dem Hashtag #djv_bo bei Twitter oder als pdf zum Download.

Tweets 2012

Tweets 2011

Blog- und Medienresonanz

Publiziert am 16. Januar 2013 von Redaktion

Zu zahlenhörig, zu platte Debatten, zu spießig und kaum Partizipation

In Anlehnung an das Fazit aus Stefan Plöchingers Eröffnungsvortrag liefert "gsohn" auf ichsagmal.com eine umfangreiche Dokumentation über Besser Online 2012 – auch mit einigen Audio- und Videomitschnitten. Lesen...

Publiziert am 16. Januar 2013 von Redaktion

Präsentationen der Referenten

Die Präsentationen einiger Besser-Online-Referentinnen und Referenten lassen sich als Slideshare auf den Seiten des DJV betrachten.

Publiziert am 16. Januar 2013 von Jakob Surkemper

"Online-Journalismus braucht Multiversalität und Partizipation"

Henry Steinhau, der als Moderator bei Besser Online 2012 dabei war, nimmt zwei Erkenntnisse von der Konferenz mit: Erstens gebe es eben nicht den einen Journalismus; und zweitens hebe sich Onlinejournalismus im Wesentlichen durch zwei Unterscheidungsmerkmale vom "klassischen" Journalismus ab: Multiversalität und Partizipation. Weiterlesen...

Publiziert am 17. September 2012 von Stefan Prott

Dokumentation zu Besser Online 2012

Töne, Texte, Bilder, Videos, Stimmen und Präsentationen:
Eine umfassende Dokumentation zum Fachkongress "Besser Online" am 15.9.2012 in Bonn finden Sie auf den Seiten des DJV Bundesverbandes.

Das Feedback: Besser Online 2011

Was Teilnehmer über Besser Online 2011 publizierten - ausgewählte Beiträge.

Publiziert am von Bernd Fabritius

Panel: Social Media Manager

Im Panel „Web 2.0: Social Media Manager – neues Berufsfeld für Journalisten in der Unternehmenskommunikation“ auf dem DJV-Forum Besser Online 2011 in Bonn sprechen drei Social Media Manager aus PR und Journalismus über ihre Jobs.

„In jedem Unternehmen sollte es einen Social-Media-Lobbyisten geben.“ Daniel Backhaus, Teamleiter Social Media Management bei der Deutschen Bahn, sieht Menschen wie ihn künftig für unverzichtbar. Er beschreibt den Social-Media-Manager „als Online-Sprecher in der Funktion eines PR-Sprechers“. In der Veranstaltung ist Backhaus der einzige Podiumsdiskutant, der keinen journalistischen Background hat.

Katrin Schmitt, derzeit Social Media Managerin bei der Agentur Webguerillas, hat laut Eigenangabe 9 Jahre lang klassisch als Redakteurin im Printbereich ihr Geld verdient.

Oft fühle sie sich ganz weit weg vom klassischen Printjournalismus, sagt Schmitt. Sie sei Lobbyistin, Kommunikatorin und Markenbauerin in einem, die für die „Bewältigung der Kommunikation in Krisensituationen das Handwerk der Recherche beherrschen“ und mit Kunden „auf Augenhöhe schnell und klar kommunizieren können“ müsse.

„Im Unterschied zu den Social-Media-Managern im PR-Bereich geht es bei der journalistischen Social-Media-Betreung weniger um Markenbildung“, meint Sebastian Horn. Er arbeitet als Redakteur bei Zeit Online, zu seinen Aufgaben gehört die Betreuung der Facebook- und Twitter-Kanäle und Kommentarbetreuung auf der Website. Spontanität sei in seinem Job eine vorrangige Fertigkeit. „In der Zeit Online-Redaktion ist deshalb schon vorgeschlagen worden, Improvisationstheater mit den Redakteuren zu veranstalten, um Spontanität einzuüben.“ Die Anzahl der Kommentare steige stetig, von einer halben Million im letzten Jahr auf voraussichtlich 700.000 im gesamten Jahr 2011. Die Grenze der Auslastung bei der Kommentarsichtung sei mit der derzeitigen Besetzung jedoch noch lange nicht erreicht.

Monitoring – also die Sichtung des Diskurses in Social Media – bezeichnet auch Katrin Schmitt als immanent wichtig für ihren Job, um auf Kritik und Shitstorms angemessen reagieren zu können. „Voraussetzung dafür ist aber, dass man das Unternehmen und dessen Ziele gut kennt, um den richtigen Ton zu treffen“, so Schmitt. Backhaus stimmt überein und ergänzt, dass auch Kundenwünsche ausgewertet würden, leider aber nicht alle Wünsche umgesetzt werden könnten – „schließlich kostet alles Geld“.

Dennoch müsse man auch einem Unternehmen Fehler im Umgang mit Twitter und Co. zugestehen, da auch Marken wie die Deutsche Bahn in den relativ neuen Kommunikationskanälen „erst mal laufen lernen“ müssten. Beim DB-Twitter-Kanal für Personenverkehr werde jeder Tweet mehrmals gegengeprüft, bevor er abgesendet wird, um Misskommunikation zu vermeiden – denn laut Backhaus kommunizieren viele S.M.-Agenten ihre Tweets und Posts ohne Rücksprache mit der Unternehmensabteilung Öffentlichkeitsarbeit. Natürlich gebe es auch unternehmensinterne Guidelines für den Umgang mit sozialen Medien.

Als Moderator Stefan Prott gemäß dem diesjährigen Besser Online-Motto die Abschlussfrage stellt, was vom Social-Media-Hype bleibe, verweist Backhaus auf die E-Mail. „Diese ist langfristig ein Standard geworden, genauso werden es auch die sozialen Medien“. Auch Schmitt ist sich sicher, dass Social Media Bestand haben werden. Unklar sei jedoch, wie diese künftig beschaffen sein werden und ob sich die Gewichtung und Relevanz der „Großen“ Facebook und Twitter verschieben wird. Horn weiß, dass Zeit Online dorthin gehen werde, wo sich die Leser aufhalten – egal, ob das auch künftig Facebook und Twitter sind.

Publiziert am 18. Juli 2012 von Bernd Fabritius

Wikileaks: „Der Service braucht Hand und Fuß“

Im Panel „Wikileaks“ beim DJV-Forum Besser Online 2011 in Bonn stritten Daniel Domscheit-Berg (Openleaks) und David Schraven (WAZ) um das bessere Datenjournalismus-Modell.

Im Mittelpunkt stehe der Mensch. In diesem Punkt waren sich die Diskutanten David Schraven, Ressortleiter Recherche bei der WAZ, und Daniel Domscheit-Berg, ehemaliger Wikileaks-Mitstreiter und jetziger Betreiber von Openleaks, einig. Kern der von Albrecht Ude moderierten Diskussionsrunde war die Frage, ob Whistleblowing-Plattformen wie Openleaks nicht überflüssig sind, da sich Informanten direkt an ein Medium wenden könnten – ohne dabei Gefahr zu laufen, dass Informanten und Passwörter auffliegen wie jüngst bei Wikileaks.

Während Schraven die Überfluss-These von Whistleblowing-Plattformen vertritt, verteidigt Domscheit-Berg sein Modell: Openleaks sei eine Instanz, bei der einem Informant von brisanten Dokumenten absolute Anonymität gesichert sei, weil alle Spuren, die auf den Absender hinweisen könnten, etwa digitale Spuren, IP-Adressen und Metadaten, in einem „technischen Prozess“ automatisch gelöscht würden. Schraven bezweifelt dies. Wenn Informanten Daten direkt an ein journalistisches Medium wie die WAZ schicken und sich als seriös herausstellen, ginge es darum, den Informant als Quelle zu pflegen und ab einem gewissen Vertrautheitsgrad einen direkten Kontakt zu bekommen. Dann wäre ein ganz „konventioneller Kontakt eines Redakteurs“ hergestellt, eine Quelle gewonnen. Um die Authentizität von Daten sicherzustellen, sei natürlich ein Gegenchecken von Fakten als redaktionelle Grundarbeit selbstverständlich.

Woher weiß Openleaks, ob die ihnen zugespielten Daten kein Fake sind? Domscheit-Berg erklärt: „Es ist nicht Aufgabe von uns, diese zu überprüfen, sondern die der journalistischen Partner – Medien wie taz und Der Freitag.“ Ferner käme Openleaks nicht in die Situation, Quellen rechtfertigen oder offenlegen zu müssen, weil Journalisten ihre Quellen geheim halten dürften. Openleaks kann demnach also nicht als Beschaffer der Daten überführt werden. Fazit: Trotz der Fehler bei Wikileaks, wo die Namen von Informanten und Passwörter an die Öffentlichkeit gelangten, sei der Datenjournalismus nach dem Wikileaks-Modell nicht am Ende. „Es muss sichergestellt sein, dass das Management funktioniert, das System schrittweise verbessert wird und der Service, den wir anbieten, letztendlich Hand und Fuss hat“, so Domscheit-Berg. Es ginge nicht darum zu sagen, ob Openleaks oder ein Inhouse-Modell wie das der WAZ besser seien: „Beide Modelle haben die Berechtigung zur Existenz, und als Informant hat man die Wahl, wem man brisante Daten anvertraut. Und das ist gut so“.

Am Ende sei nur wichtig, dass Menschen geholfen ist und die Öffentlichkeit profitiert und besser informiert ist. Das ist schön und gut. Neue (online)journalistische Erkenntnisse hat die Diskussion damit jedoch nicht hervorgebracht.

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